Jugend-Europameisterschaft
U10 bis U18 2006
vom
09. bis 20.09.2006 in Herceg Novi/Montenegro
Hier geht es zur offiziellen Seite
www.scgchess.org.
Ergebnisse der für Sachsen spielenden Jugendlichen: Gruppe Name Runde 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Summe Platz
U10w Filiz Osmanodja 1 1 0,5 1 1 0 0 1 1 6,5 5.
U12 Jonas Dünzel 1 1 0 0 0 0,5 1 0,5 0,5 4,5 42.
U12w Saskia Stark 0,5 0,5 1 0,5 0 0,5 0 0,5 0,5 4,0 47.
U16 Falko Bindrich 1 0,5 1 0,5 0,5 0,5 0 1 0,5 5,5 18.
U18 Paul Zebisch 0 0,5 1 0 0 1 0,5 0,5 0 3,5 57.
Anreise
Nach der fast problemlosen Anreise, einigen brachte die etwas „steinige“ Landung
stärkeres Herzklopfen und die erste Nacht war für die zweite Gruppe etwas
kürzer, ging es die Hotels. Von Dubrovnik nach Herceg Novi und Igalo kam es uns
vor, als käme der Bus nur um Millimeter an den Wänden den steil stehenden Häuser
oder an den parkenden PKW vorbei. Erst am nächsten Tag waren die herrlichen
Ausblicke zu genießen. Aber irgendwie schaffte es der Busfahrer immer wieder und
wir kamen alle heil an. Wie Tag und Nacht stellten sich aber die beiden Hotels
dar. Das Hotel „Plaza“ wurde als „Vier Sterne Hotel“ diesen Ansprüchen auch
gerecht; „Igalo“, welches sich drei Kilometer entfernt vom Spielsaal im Palza
befand, brachte dagegen vor allem die Frauen auf die Palme (überall stehen diese
übrigens hier herum). Die Sauberkeit (Schimmel, Schmutz und Krabbeltiere) sowie
auch die Funktionsfähigkeit (Türen, Schränke) entsprachen keinem einzigen der
drei angegebenen Sterne. Mit großer Kraftanstrengung zog bereits die erste
Familie um, damit auch den täglichen „Gang“ zum Trainer verkürzend.
1. Runde - So kann es (nicht) weiter gehen
Um so besser war das Ergebnis der ersten Runde. Diese fing äußerst pünktlich,
genau 15 Uhr an; für eine internationale Jugendmeisterschaft ein Novum!
Man sah die Anspannungen aller vor ihrem ersten Einsatz. Bestimmt war Saskia
Stark (U12w) froh, als sie als erste ihre Partie beendet hatte und strahlend mit
einem Remis zur „Deutschen Ecke“ kam. Auch das zweite junge Mädchen, Bianca
Stolcz, welches erstmals an der EM teilnahm, kam kurze Zeit später mit dem
gleichen Ergebnis. Nur Filiz Osmanodja (U10w) blieb sich treu bei der
„Zeiteinteilung“. Erst nach der Zeitkontrolle, nach fast vier Stunden stand ihr
Sieg fest.
Ohne
Probleme, wahrscheinlich zog das warme Wasser (25 Grad), kamen recht schnell
zurück Julian Jorczik (U14), Benjamin Tereick (U16), Jonas Dünzel, Franz Bräuer,
Maximilian Berchtenbreiter (alle U12), Ahmed Abdelrasek (U10). Die Trainer
konnten ihr „Nichtstun“ beenden und sofort unter „Aufsicht“ der Eltern die
Analyse beginnen. Nach gut drei Stunden standen auch auf Gewinn Manuela Mader
und Saskia Zikeli (U16w) sowie Atila Figura (U18). Sie verwirklichten ihren
Vorteil
sicher. Schwer tat sich Falko Bindrich (U16), der gegen den auf Remis spielenden
Israeli fast die volle Bedenkzeit und zwei Partieformulare benötigte, um den
Sieg sicherzustellen. Dadurch hatten die Trainer durchgehend Arbeit bis gegen 22
Uhr die neue Auslosung auch wieder neue Arbeit für sie brachte. Das
Gesamtergebnis von 12 aus 16 kann sich für eine erste Runde durchaus sehen
lassen. Die drei Niederlagen „fuhren ein“ Paul Zebisch (U18 - trotz
zwischenzeitlich guter Stellung) sowie die jungen Spieler Slavik Sarchisov (U12
- hatte mit Schwarz wenig Chancen) und Philipp Kyas (U10 - spielte gegen die
Nummer sechs).
2. Runde - Wie schlägt man als „Selbstzahler“ einen FIDE-Meister
Der zweite Tag verlief nicht ganz so erfolgreich; wurden doch die Gegner
stärker. Aber es gab schon eine sehr positive Überraschung. In der U12 „durfte“
nach der Wiederholung einer Auslosung Jonas Dünzel gegen den an Rang Eins
gesetzten FIDE-Meister Darius Swiercz aus Polen antreten. Nach kompromisslosem
Kampf auf den König, es waren die typischen sizilianischen entgegen gesetzten
Rochaden entstanden, war Jonas mindestens einen Zug schneller; die Vorbereitung
durch IM Davit Lobzhanidze gelungen. Als Erste allerdings kam die Jüngste mit
einer schnellen Null zurück. Ein bekannter sizilianischer Trick in der
Drachenvariante war Bianca noch nicht bekannt. Die U10 brachte mit Filiz und
Philipp sichere Siege und eine weitere Niederlage durch Ahmed. Saskia aus der
U12w wird wohl wieder nicht zufrieden sein. Wer die Möglichkeiten nicht nutzt,
darf sich später nicht ärgern, wenn dies der Gegner tut. Des Weiteren verliefen
die Ergebnisse in der U12 so, dass die Sieger (Franz, Maximilian) der ersten
Runde verloren und der Verlierer (Slavik) gewann. Die Älteren waren dann auch
die Letzten, die aus den Spielsälen kamen. Julian (U14) spielte eine etwas
waghalsige Partie. Aber wie heißt es so schön: „Wer nicht wagt, der nicht
gewinnt!“ Leider gelang es Falko, der etwas unsicher wirkt, nicht, den vollen
Punkt einzufahren. Der letztjährige Europameister U14 aus Georgien, Davit
Benidze, leistete eigentlich nur in der Endphase den entscheidenden Widerstand.
Trotz Qualität und Bauern mehr entstand Remis. Benjamin konnte gegen seinen
wesentlich stärkeren Gegner lange mithalten.
Die Mädchen U16 (Saskia) und U18 (Manuela) waren sehr gut drauf und ließen
nichts anbrennen; beide volle Punktzahl. Nun wird es noch schwerer. In der U18
sah es so aus, dass beide, Atila und Paul, volle Punkte holen könnten. Leider
gelang es keinem von beiden. Zum Schluss mussten mit der Punkteteilung noch
zufrieden sein.
Der Anfang ist getan, jeder hat schon zählbare Ergebnisse erzielt und wieder
eine Menge Erfahrungen gesammelt. Drücken wir die Daumen, dass im nächsten
Bericht (zum Ruhetag) auch so viel Gutes berichtet werden kann.
3.-5. Runde - Sonnenschein ist nur ständig am Strand vorhanden
Nicht alle Träume gehen in Erfüllung
Die ersten Anspannungen sind vorüber. „Alter“ Kampfgeist ist erwacht – in aller
erster Linie bei unseren Mädchen. Nach einer Schlappe in der dritten Runde
schlug Manuela, die als Fünfzehnjährige in der U18 spielt, sowohl in Runde 4 und
5 starke Gegnerinnen und befindet sich mit vier Punkten an der Spitze der
Altersklasse. Saskia konnte leider die gute Stellung in Runde 5 nicht halten,
liegt aber mit drei Punkten gut im Rennen.
Auch Filiz, die Tränen überströmt nach der dritten Runde mit einem selbst
verschuldeten Patt zurück kam, konnte mit dem vollen Punkt (3,5) fast an die
Spitze gelangen. Das war ein schöner Sieg, ein Matt mit einem Springer; die
Gegnerin wurde „erstickt“. Und noch ein Sieg in der fünften Partie, wo zwei
ihrer Springer und Bauer gegen einen Turm kämpfen mussten. Das Zeitproblem hat
sich auch gebessert und so ist sie beste Deutsche, direkt an der Spitze liegend.
Und erst Saskia in der U12, die nach den zwei Auftaktremisen einen vollen Punkt
und das Remis der vierten Runde erst nach harten viereinhalb Stunden erkämpfte.
Leider gelang es nicht, mit der „Sicherheitseröffnung“ (Geschlossener Sizi)
gegen die nun noch stärkere Gegnerin zu bestehen. Mit zweieinhalb Punkten liegt
sie in den Erwartungen.
Nach den ersten beiden Runden mit plus 8 und plus 2 wurde es deutlich
schwieriger; jeweils zweimal plus 1 und heute sogar minus 1.
Bei den großen Jungs weiß man manchmal nicht, ob man beim Pokern ist oder beim
soliden Schach. Nachdem der Kelch der Niederlage an Atila zweimal knapp vorbei
gegangen ist, wollte er den Bogen doch zu weit spannen. Statt Remis gab es die
nicht eingeplante Niederlage in Runde 4; Runde fünf ein Sieg. Paul konnte als
66. der Setzliste in Runde drei „zuschlagen“. Die nächsten beiden Partien waren
Übersehen in der Berechnung in guten Stellungen. So gingen leichtsinnig die
Punkte verloren.
Für Falko, der von allen „gejagt“ wird, ist es schwer mit Schwarz zu gewinnen,
wenn der Gegner das Siegen auch nicht will. „Oben wird die Luft immer dünner“,
so könnte die Auslosung seiner Gegner, die ausschließlich Schachhochburgen
angehören, gedeutet werden.
Nach dem Israeli Michael Zaslavsky, er ist ein emigrierter Russe, und dem
Georgier FM Davit Benidze bekam er nochmals zwei Russen zum Gegner; Emil
Musakaew und den FM Evgeny Levin. Auch beim heutigen Gegner, Emre Can, aus einer
aufstrebenden Schachnation Türkei. Mit den schwarzen Farben wurde es wieder
nicht einfach. Sein Trainer Großmeister Henrik Teske, hatte psychologische Züge
„verordnet“, um den Gegner straucheln zu lassen. Wieder wurde er aber Opfer
seiner selbst. Nach dem Überspielen des Gegners, bereits Mehrbauern und
Läuferpaar, wollte er „den Ball ins Tor tragen“. Der Gegner gab noch einen
Bauern und besaß plötzlich ungleiche Läufer; ein Sieg war nicht mehr möglich.
Auch Benjamin sammelte fleißig Punkte. Nach Wechsel von Sieg, Remis und wieder
Sieg hat er mit Falko gleichgezogen.
Julian war doch traurig! Gegen den mehrfachen Welt- und Europameister Sjugirov (ELO
2444) hatte er im Mittelspiel eine Chance ausgelassen und im Endspiel auch
wieder ausgeglichen. Die Klasse des Gegners zeigte sich, dass er mit dem wenigen
Material, beide hatten Turm, Springer und zwei Bauern, ein feines Mattnetz
spinnen konnte. In Runde 4 und 5 hatten beide Gegner keine Chance. Mit vier
Punkten ist Julian wieder an der Spitze des Feldes.
In der U12 hatte Jonas auch in den Runden 3 und 4 sehr starke Gegner. Auch hatte
er verschiedene Möglichkeiten, die leider nicht genutzt wurden. Hier fehlt
Erfahrung gegen starke Gegner, die die anderen Länder uns voraus haben. Wer
schon mehrfach gegen erwachsene und nicht erwachsene Titelträger gespielt hat,
hat einen großen Vorteil bei den internationalen Meisterschaften mit den
Gleichaltrigen. Leider ging auch noch die fünfte Partie verloren, so dass das
Ergebnis nicht der eigentlichen Leistung gleichkommt. Auch die anderen U12er
haben das „Wellen“-Problem. Nach einem Sieg kommt der Stärkere und eine
Niederlage folgt. Nach der Niederlage wieder ein Sieg. Da nehmen sich
Maximilian, Jonas, Slavik und Franz nicht viel.
In der U10 kam es zum ersten Aufeinandertreffen der Deutschen. Das Duell wurde
taktisch durch Spieße entschieden. Zweimal zugestochen, nachdem Ahmed einen
vergifteten Bauern geschluckt hatte, war der Sieg Philipp nicht mehr zu nehmen.
In der fünften Runde gewann Ahmed seine Partie recht sicher und nun haben beide
zwei Punkte.
Bianca, unsere Jüngste, Kleinste und vielleicht Ängstlichste hat ebenfalls 50%;
auch zweieinhalb Punkte erreicht. In der vierten noch mit einer Figur mehr gegen
zwei Bauern remis angeboten, hat sie den vollen Punkt von der Gegnerin in der
Runde 5 abgeholt, weil diese auch gewinnen wollte und dann doch den letzten
Fehler machte.
Nun geht es erstmal zu einer Schiffsfahrt am wohlverdienten Ruhetag, bevor dann
in den letzten Runden die Entscheidung fällt. Die tagelange, oft mehr als sieben
Stunden anstrengende Tätigkeit kostet Kraft und auch die Konzentration lässt
nach. Daumendrücken ist angesagt, damit alle Pläne in Erfüllung gehen können.
6.-7. Runde - Erholsamer Ruhetag legte wenig neue Energien frei
Nach sieben Runden noch ein Medaillenkandidat
Einen
Tag „frei“, ein kleines Boot und fast die gesamte deutsche Mannschaft war
tagsüber beschäftigt, die Weiten der Bucht von Kotor zu ergründen. Bereits nach
zwei Stunden bei einem kurzem Aufenthalt auf der „Lady of Rock“, einer höchstens
50 mal 20 Meter großen, aber fast 600 Jahre alten Kircheninsel, war allen
Beteiligten klar, es war die beste Idee, vom schachlichen Geschehen abzulenken
und neue Kraft zu schöpfen.
Danach steuerte der Kapitän unseres Schiffes vorbei an der Hochsee-Yacht des
Managers von Chelsea London. Nur mit Mühe konnten die Augen unserer staunenden
Spieler „gerettet“ werden. Der Aufenthalt in der mittelalterlichen Stadt Kontor
verlief fast so wie immer bei solchen Gelegenheiten: Eis, Getränke und
Souvenirs.
Auch die imposanten alten Gebäude wurde betrachtet, immerhin wurden hier vor
Generationen Kämpfe gegen die einfallenden Türken geführt. Die Stadt fiel nie
und wurde in das Weltkulturerbe aufgenommen. Die Abfahrtszeit war herangekommen
und es fehlten zwei unserer Trainer. Sie hatten sich die Erstürmung des
„Hausberges“ vorgenommen; eine montenegrinische Fahne war das Ziel. Alle nehmen
es gelassen, weil es erstens an diesem Tag unser Boot war und zweitens, die
Kinder erlebten, dass auch Titelträger in „Zeitnot“ kommen können. Erstmals
strahlte auch die Sonne weniger, was der insgesamt mehr als achtstündigen Fahrt
sogar sehr zu gute kam.
Am Tag darauf, am Tag der sechsten Runde, war die Sonne endgültig weg und es
fing an zu regnen; Minuten vor der Runde goss es sogar richtig. Insgesamt war
das wohl ein gutes Zeichen für alle Spieler oder nach Regen, nach den etwas
weniger guten Runden, muss auch Sonnenschein, bessere Ergebnisse folgen.
Anfangs sah das Ergebnis der sechsten Runde recht passabel aus. Die ersten
Sieger waren beide U10er, Philipp Kyas und Ahmed Abdelrasek. Danach kamen die
U12er alle mit einem Remis, zweimal Dauerschach (Franz und Jonas) und auch
Slavik „wollte“ nicht mehr. Nur Max hatte zeitig einen Bauern gewonnen und musste noch lange spielen, ehe der Gegner aufgab. Und in der U18 hatte Paul mit
seinem montenegrinischen Gegner kurzen Prozess gemacht. Dann setzte im wahrsten
Sinne des Wortes der Regen ein. Tragisch ist immer, wenn die die vorn liegen,
gute Aussichten haben zu verlieren. Julian kannte die Variante nicht, das
bedeutete ein schnelles Aus. Manuela und Filiz spielten als Letzte noch. Sie
hatte in Zeitnot den entscheidenden Bauern eingestellt in besserer Stellung und
Manuela wollte das besser stehende Remisendspiel unbedingt gewinnen und übersah
etwas in der Hitze des Gefechts der 30 Sekundenzüge.
Um nicht wieder als Erste herauszukommen, spielte Bianca in der U10 sehr lange.
Nach 17 Zügen und zwei Bauern mehr hatte sie noch fünf Minuten für den Rest; der
Einsteller war vorprogrammiert. Es ist also nicht einfach für die jüngsten
Damen, die Zeit richtig einzuteilen.
Auch in der Partie gegen den Armenier folgte bei Falko wieder das gleiche Spiel.
Mit guter Vorbereitung hatte er wieder eine aussichtsreiche Stellung erreicht;
der gegnerische König musste auf die Wanderschaft. Aber das Sicherheitsdenken
führte zur Klärung der Stellung in ein Endspiel, ein Unentschieden war
unumkehrbar.
Atila hielt sich zwar lange, brachte aber kein Bein auf den Boden; wenn auch mit
zwei Springern in Verbindung noch ein Mattnetz geknüpft werden sollte. Dafür
sprangen zwei weitere Spieler ein, das magere Ergebnis etwas aufzubessern. Ein
Plus von 1 wurde es noch.
Etwas
Glück des Tüchtigen hatte Benjamin in der U16; der polnische Gegner wickelte zu
schnell in ein schlechtes Endspiel ab. In der fünften Runde etwas vom Pech
verfolgt, spielte Saskia in der U16 eine sehr gute Partie. Mit viereinhalb bzw.
vier Punkten haben beide gute Chancen auf eine vordere Platzierung.
Seit der sechsten Runde hat die deutsche Delegation einen zweiten
Delegationsleiter, der die Partien der deutschen Spieler mit großem Interesse
verfolgt. Aufgrund seiner Verbindung zu den Organisatoren gelang dem Betreuer
von Ahmed Zutritt zu den drei Spielräumen.
Die siebente Runde begann wieder bei Regen. Scheinbar sollte Schach wieder in
den „Vordergrund“ gerückt werden. Zehn Punkte sind sicherlich ein gutes
Ergebnis. Wenn dabei aber endgültig zwei Medaillenkandidaten ausfallen, ist es
weniger wert; ein Pyrrhus-Sieg sozusagen. Und beide Falko und Filiz standen
wieder besser, Falko auf Gewinn. Er kann einfach nicht mehr gewinnen, hat stets
den Remisgedanken des Gegners im Kopf. Diesmal kam das Angebot nach zehn Zügen.
Filiz fängt an zu opfern, wo es noch nichts zu opfern gab. Ihre Stellung war
wieder gut. Beide können mit vier oder viereinhalb Punkten ihre angestrebten
Ziele nicht mehr erreichen. Nur Benjamin, der für Falko in die Bresche
gesprungen ist, hat nach einem tadelsfreien Sieg noch eine Medaillenchance.
Manuela
konnte ihr Missgeschick vom Vortag schnell vergessen machen. Das Läuferpaar war
nicht nur den gegnerischen Springern überlegen, sie trugen auch wesentlich zum
Schlussangriff auf den König bei. Ebenfalls fünf Punkte haben Julian (U14) und
Maximilian (U12). Überhaupt gelang es vor allem den Jungs von U10 und U12, das
Ergebnis der siebten Runde aufzubessern.
Beide Saskias haben ihre Partien verloren. In der U16 war die Ranglistenerste
glücklich über den Sieg und mit mehr als viereinhalb Stunden saß Saskia aus der
U12 am längsten am Brett. Die Skandinavische Eröffnung brachte ihr lang
anhaltenden Vorteil. Bei der ersten Abwicklung handelte sie sich einen
Einzelbauern ein. Trotzdem schaffte sie sich im Turmendspiel einen Freibauern
und es sah gut aus; vielleicht hält die Gegnerin es noch. Dann kamen die
Ereignisse zum Schnelllauf. Beide hatten noch König, Dame und Turm. Wer mit
Schachbieten anfängt, der gewinnt. Und das war nicht Saskia.
8.-9. Runde - Spannende drei Medaillen-Partien
Auf
einmal wurde es nach der achten Runde noch mal in drei Altersklassen spannend.
Vor der letzten Runde hatten noch Manuela, Benjamin und Julian berechtigte
Chancen auf Edelmetall. Vorher allerdings schütteten die Wettergötter alles aus,
was so gab. Nicht enden wollende Regengüsse, Blitz und Donner, das man dachte,
die Hotels fallen zusammen. Und es geschah fast im „Igalo“. Die letzte Runde
wurde verschoben, weil soviel Wasser in das Hotel eingedrungen war. An Internet
war überhaupt nicht mehr zu denken. Und so waren die Berichte zwar geschrieben,
blieben aber im Stick. Erst in Deutschland konnten sie dann weitergeleitet
werden.
Die
achte Runde brachten unseren Bestplatzierten Benjamin ein glückliches Remis
gegen den überraschen starken Azerbaidzaner Rasulov (2152). Über sich hinaus
wächst Manuela. Eine Klasse höher startend, hält sie hier mit den Besten mit,
gewann ihre achte Partie und hat heute sogar eine Chance, um die Medaille zu
spielen. Auch Julian in der U14 holte sich nach aufregendem Kampf den vollen
Punkt und hat es heute gegen den Ungarn Prohaska in der Hand um eine Medaille zu
kämpfen.
Insgesamt wurden in der Runde acht zehn Punkte gesammelt. Auch Saskia in der U16
spielte eine sehr schöne Partie; der Königsangriff war schon beeindruckend.
Psychologisch unbeschwert konnte Falko aufspielen; nur zweieinhalb Stunden
brauchte er für den Sieg gegen den zweiten Georgier. Filiz besiegte diesmal sehr
sicher ihre Gegnerin. Sehr stark kämpfte Philipp in der U10. Mit starkem
Springer gegen schwachen Läufer lehnte er nicht Remis ab, sondern fand einen
sicheren Gewinnweg.
Ausgesprochener Kampfgeist zeigten die vielen ausgekämpften Remisen. Nach
viereinhalb Stunden kam Jonas von der U12 und ein paar Tränen waren im Gesicht,
weil er sein Turmendspiel nicht gewinnen konnte. Aber auch Slavik, Ahmed und
Franz kamen in der U12 nach langem Kampf nicht über ein Unentschieden hinaus.
Und Max spielte gegen die Nummer Eins. Der Pole Dariusz Swiercz musste sich ganz
schon anstrengen, die Partie nach mehr als vier Stunden zu gewinnen. In der U18
hatten Atila und Paul nur sehr geringe Vorteile erreicht, so dass beide Remis
anboten.
Nicht wie es bei vielen Open normal ist, die Partien wurde ausgekämpft. Leider
traf das als erste deutsche Spieler Benjamin und Manuela. Erster ließ einzügig
in komplizierter Stellung eine Figur stehen und die schon feststehende
Europameisterin Anna Gasik aus Polen tauschte mit Weiß einfach alles ab und
stellte das Remis sicher. Zu dem Zeitpunkt war auch Julian schon in einer
schwierigen Position mit Qualität weniger. Er wehrte sich zwar noch sehr lange,
kam aber nicht um die Niederlage herum.
So waren alle Träume ausgeträumt. Mit einem sicheren Sieg schloss Filiz zur
gleichen Punktzahl mit Manuela auf. Beide werden wohl den vierten bis sechsten
Platz belegen. Benjamin und Julian liegen so um Platz acht bis zehn. Ein sehr
gutes Ergebnis erzielte mit einem Schlussrundensieg auch noch Philipp in der
U10. Mit ebenfalls sechs Punkten wird er aufgrund der höheren Teilnehmeranzahl
in seiner Altersklasse so zwischen den 14.-18.Platz liegen. Jeweils fünfeinhalb
Punkten haben Falko und Atila. Falko willigte erst nach mehr als vier Stunden in
einem Schwerfigurenendspiel unwillig ins Remis (12.-15.) und Atila gewann im
Opferstil (20.-24.). Für Atila war das Turnier eine normale Leistung.
Wogegen Falko insgesamt sehr unzufrieden ist mit seinem Ergebnis. Für die
Jüngste und den Ältesten gab es insgesamt dreieinhalb Punkte. Sie bleiben
ungefähr in ihren Erwartungen, wobei für Bianca das Turnier doch zu schwer war.
Unter 50 Prozent blieb noch Saskia in der U12. Bei den vielen ungenutzten
Möglichkeiten ist noch eine Menge an Steigerung drin. Positiv sollten
abschließend noch die Ergebnisse von Saskia (U16) und Maximilian (U12) genannt
werden. Mit ausgezeichneten Partien und fünf Punkten, bereits nach der Runde 8
bzw. 7 erreicht, spielten sie zeitweise an den Spitzenbrettern und trugen so zu
einem insgesamt positiven Eindruck der deutschen Mannschaft bei.
Alle anderen Spieler der U12 erreichten 50 und mehr Prozent, wenn auch erst in
den letzten Partien. Die Erfahrungen nutzend und gleich in die
Trainingsprogramme der neuen Saison eingebracht, könnten im nächsten Jahr noch
bessere Ergebnisse erzielt werden. Die Arbeit mit den Trainern war lohnenswert;
wenn auch der krönende Abschluss verwehrt blieb. Eigentlich also „alles beim
Alten“!
Oswald Bindrich
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