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Falko Bindrich beim Großmeister-Rundenturnier

vom 21. bis 29. Januar 2006 in Genf

17.01.2006: Vorbericht

Ein vorzeitiges Geschenk erhielt kurz vor Weihnachten Falko Bindrich, Mitglied der Jugendolympiamannschaft, in Form einer Einladung zu einem Großmeisterturnier nach Genf. Bestimmt beflügelte das sein Leistungsstreben beim Böblinger Open und beim Staufer-Open in Schwäbisch Gmünd (6. Platz mit Performance 2494 und 4. Platz mit Performance 2500).
Falko fliegt mit großen Erwartungen zum GM-Rundenturnier. Im Unterschied zu den großen Open sind hier von Anfang die Gegner gleich einige Klassen stärker. Im Rahmen des 22. Genfer Open 2006 treffen in einem Rundenturnier fünf Schweizer „Normenjäger“ auf internationale ELO-starke Konkurrenz. Seine gewachsene Leistungs- stärke beruhend auf stärkeres Selbstvertrauen möchte Falko auch hier wieder beweisen. Und bestimmt ist nach dem Turnier dann auch die Übererfüllung der letzten fehlenden IM-Norm Geschichte.
Das Rundenturnier gehört mit einem ELO-Durchschnitt von 2444 in die Kategorie VIII. Die Normen betragen 5 Punkte für die IM- und 7 Punkte für die GM-Norm.

23.01.2006: Guter Kurs nach erstem Drittel

Falko gegen IM Michele GodenaAus dem Winter kommend trafen Falko und sein Vater in Genf bei 12 Grad im Frühling ein. Die Auslosung war bereits am Vorabend erfolgt; mit der Nummer drei endlich auch mal in der vorderen Hälfte. Ob das hilft, weiß jeder erst nach dem Turnier. Übrigens im Aeroflot-Open ist die Anzahl der Schwarzpartien die erste Wertung! Bei einem Rundenturnier ist das nicht relevant.
In der ersten Runde spielte Falkos Gegner die „landestypische“ Falko gegen IM Michele GodenaEröffnung; das klassische Französisch kam aufs Brett. Der Internationale Meister Fabien Libiszewski hat sich eine weitere Großmeisternorm vorgenommen. Nach der dritten Runde hat er 2,5 Punkte. Die im Mittelspiel entstandene schwache Bauernstruktur des Gegners wollte Falko ausnutzen. Er sah aber nicht das schwarze Gegenspiel und stand zeitweilig taktisch auf Verlust. Aufgrund mangelnder Zeit übersah Fabien diese Chance und wickelte in ein gleiche Endspiel ab - Remis; inzwischen war es kurz vor Mitternacht!
In der zweiten Runde musste zuerst Falko sich großem Druck erwehren. Dem Spezialisten des c3-Sizilianers (etwa auch landestypisch?), dem italienischen Großmeister Michele Godena, gelang es jedoch nicht, Falkos gute Vorbereitung zu knacken. Nach einem sehr lang überlegten Bauernopfer auf d5 erhielt der Großmeister zwar Angriff. Aber beim Zurückholen des Bauern, klärten sich die Fronten – also Remis.
Alex Vuilleumier, ein recht junger schweizerischer FIDE-Meister, wechselte die sonst gespielten Eröffnungen. Aber in dem Abtausch-Spanier hatte er bereits nach zwanzig Zügen ein verlorenes Endspiel. Nach dreieinhalb Stunden war die Partie mit einem Sieg für Falko zu Ende.
Mit drei nicht verlorenen Partien ist Falko recht gut gestartet. Das Problem des sehr späten Partiebeginns (18 Uhr) und der damit verbundene Tagesablauf stört hoffentlich nicht mehr. Inzwischen ist es auch in Genf etwas kälter geworden (heute nur noch drei Grad plus).

27.01.2006: Mit Schwankungen – aber der Kurs wurde beibehalten

Falko gegen IM Claude LandenbergueIn der vierten Runde war mit Claude Landenbergue der erfahrenste und auch spielstärkste der teilnehmenden Schweizer Falkos Gegner. Da er recht gut Deutsch spricht, war er bereits im Vorfeld unser Organisator und „Abholer“ vom Flughafen. Das Remis entsprach den Spielauffassungen. Claude spielte zu ruhig, um das besser stehende Endspiel zu meistern und Falko zu schnell im Mittelspiel, geriet in dieses schlechtere Endspiel. Letztendlich schafften seine aktiven Figuren nicht nur den Ausgleich. Die dann sichtbaren Vorteile verflüchtigten sich und der Ausspruch „alle Turmendspiele sind Remis“ bewahrheitete sich wieder.
Der Marokkaner Hichem Hamdouchi war doch noch eine Klasse zu stark für Falko. Der bereits mit 2600 ELO spielende mehrfache Arabische Meister kniete sich mit beiden Händen im Gesicht förmlich in die Stellung. Der Zeitunterschied wurde immer größer. Und da, das Feld e5 von Falko vierfach überwacht; ein strategisch wichtiger Vorteil des Weißen im Franzosen, wurde vom schwarzen Bauern e6 besetzt. Und alle Abwicklungen, auch die in der gemeinschaftlichen nachträglichen Analyse, brachten immer Vorteil für den Großmeister.
In der sechsten Runde gab es wiederum eine Überraschung. Manchmal denken wir, dass es nur immer Falko ist, der mit Überraschungen leben muss! Der „lange Drachen“ wurde von Richard Gerber auf das Brett gebracht. Falko spielte ebenfalls wie sein Gegner sehr schnell und wählte nicht die stärkste Angriffsfortsetzung. Das reichte dem schweizerischen Internationalen Meister, das typische Qualitätsopfer auf c3 zu geben. Nach dem Damentausch gab es ein sehr kurzweiliges, aber sehr langes Endspiel. Trotzdem konnte Falko alle Klippen umgehen und nach fast fünfeinhalb Stunden war der zweite Sieg eingefahren und damit wieder der Normenbereich erreicht. Das war 23.20 Uhr; der Tag ging fast zur Neige. Uns ist nicht bekannt, zu solch nachtschlafender Zeit schon mal eine Turnierpartie gespielt zu haben.
Im letzten Drittel kommen noch die zwei Schweizer FIDE-Meister Masserey und Burnier und der Ranglistenerste und Führende GM Christian Bauer aus Frankreich (fünf aus sechs). Hinter dem GM Hamdouchi und dem IM Liebiszewsk (beide 4,5 Punkte) liegt Falko mit dem italienischen GM Godena (beide 3,5 Punkte) gemeinsam auf Rang vier.

29.01.2006: Falko Bindrich - mit fünfzehn Jahren IM

Falko gegen GM Christian BauerMit erbostem Gesicht über das gerade erreichte Ergebnis kam Falko von der siebenten Runde zurück. Das Remis hatte sich aber der schweizerische Gegner redlich verdient. Im geschlossenen Sizilianer versuchte der FIDE-Meister Yvan Masserey seine Scharte vom MITROPA-Cup 2004 auszuwetzen. Falko verschaffte ihm aber im Mittelspiel mehrere Bauernschwächen, so dass eigentlich nur ein Spiel auf die weiße Stellung erfolgte. Aber eine unbedachte Schwächung der eigenen Königstellung brachte die entscheidende Wende zu Gunsten des Schweizers. Ein Dauerschach beendete die Partie.
Mit Weiß in der achten Runde wollte es Falko von Beginn an schaffen. Seine Aufgabe war aber nicht einfach, weil David Burnier den Kampf um den letzten Platz nicht aufgab. Im vergangenen Turnier hatte er sicher eine IM-Norm und fast 50 ELO Zuwachs erreicht, sodass Falko genügend gewarnt war. In einer Spanischen Partie kam David Burnier sehr gut vorbereitet ins Mittelspiel und Falko bekam Probleme. Im abgewickelten Endspiel mit Qualität mehr gegen zwei Bauern stand der Gegner sicher besser. In kritischer Phase lehnte der Schweizer das Remisangebot ab. Im praktischen Spiel sowohl in der Zugwahl und in der Schnelligkeit der Berechnung hatte Falko klare Vorteile. Das letzte noch spielende Brett (auch vom parallel stattfindenden Open) hatte viele Zuschauer. 20.45 Uhr, Rundenbeginn war 18 Uhr, war es geschafft. Die dritte echte Norm ist perfekt, wenn es auch morgen zur neunten Partie kommt.
Aber das ist ja der Ranglistenerste und schon als Sieger (sechseinhalb aus acht) feststehende Großmeister Christian Bauer (ELO 2627) . Die Partie währte drei Stunden. Deutlich war neben der Luft, die aufgrund der Normerfüllung schon weg schien, die enorme Spielstärke des Franzosen ausschlaggebend. Obwohl mit Weiß spielend, musste sich Christian Bauer bis ins Endspiel anstrengen; so beschäftigte ihn Falko. Nach einer ausgedehnten Analyse musste schon vor der Siegerehrung mit die Rückreise angetreten werden. Es sollte nicht noch ein Tag Schule ausfallen.
Mit dem Ergebnis kann Falko sehr zufrieden sein; mit dem Spiel auch, aber sicherlich nicht mit jeder Partie. Hinter dem nie gefährdeten Sieger war das Verfolgerfeld sehr eng zusammen. Die Großmeister Hamdouchi (MAR) und Godena (ITA) sowie die Internationalen Meister Libiszewski (FRA) und Landenbergue (SUI) und Falko trennten nur ein halber Punkt.

Endstand:

1. GM Bauer 7,5
2. GM Hamdouchi 5,5
3. IM Libiszewski 5,5
3. GM Godena 5,5
5. IM Vandenbergue 5,0
6. FM Bindrich 5,0
7. FM Masserey 4,0
8. FM Vuilleumier 3,5
9. IM Gerber 2,0
10. FM Burnier 1,5

Falkos Gegner in der Reihenfolge der Auslosung:

Runde Titel Name, Vorname         Land ELO Farbe Ergebnis
---------------------------------------------------------
  01   IM   Libiszewski, Fabien    FRA 2467  W    remis
  02   GM   Godena, Michele        ITA 2505  S    remis
  03   FM   Vuilleumier, Alex      SUI 2354  W    1 : 0
  04   IM   Landenbergue, Claude   SUI 2419  S    remis
  05   GM   Hamdouchi, Hichem      MAR 2575  W    0 : 1
  06   IM   Gerber, Richard        SUI 2366  W    1 : 0
  07   FM   Masserey, Yvan         SUI 2354  S    remis
  08   FM   Burnier, David         SUI 2377  W    1 : 0
  09   GM   Bauer, Christian       FRA 2627  S    0 : 1 
---------------------------------------------------------
Ges.:                                  2448       5 : 4
Oswald Bindrich
 
 
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